[Thoughts] • Dealing With Cancer Of A Loved One

Heute hab ich mir einen etwas emotionaleren Blog-Artikel überlegt. Emotional deswegen, weil ich dieses Thema schon länger mit mir herumtrage & wo es auch gar nichts zum Schönreden gibt. Es ist ein Schlag in die Magengegend. Manchmal ist es für die Angehörigen schlimmer, als für die Betroffenen: Es geht um die Diagnose Krebs. Darum bitte ich alle, die dieses Thema Tod & Schmerz triggern könnte: bitte sei achtsam & lies den Artikel auf eigene Gefahr.

Bevor Du mir jetzt vom Sessel fällst: dieser Blog-Eintrag dient einerseits der Aufarbeitung des Tods meines Opas & andererseits als Hilfestellung für all jene, die Angehörige von Krebspatient_innen sind. Nicht mehr, und nicht weniger. Ich selbst bin gesund & hab noch nie die Diagnose Krebs bekommen – darum kann ich in diesem Beitrag für mich & meine Erfahrungen sprechen & wie es mir damit als Angehöriger ergangen ist. Lern aus meinen [vermeintlichen] Fehlern & versuch es vielleicht ein bisschen besser zu machen.

 

Ablauf der Diagnose

Dealing with Cancer Diagnosis Of A Loved One

Gerade früh erkannt, hat man mit Krebs die besten Heilungschancen. So sagen die Ärzte. Auch wenn eine Chemotherapie kräfte- & energiezehrend ist, so ist es nicht unmöglich, eine vollständige Heilung von Krebs zu ermöglichen. Es gibt unendlich viele Seiten im Internet, wie man sich bei der Chemo am Besten ernährt & welche Tätigkeiten dem Körper des Krebspatienten gut tun.

Alles schön & gut. Aber Krebs ist unfair. Ich habe schon mit vielen Menschen gesprochen, die die Diagnose Krebs bekamen und sogar relativ gelassen damit umgingen. Schließlich muss man es ja so hinnehmen; man selbst kann es eh nicht ändern. Doch hier schreie ich fast schon als Angehörige auf, denn so hinnehmen geht einfach nicht. Du willst helfen – oder zumindest ging es mir so. Leider eignete ich mir über die vergangenen Jahre ein Helfersyndrom an. Eine Zeit lang musste mich eine gute Freundin stoppen, die Leute zu fragen: “Wie geht’s Dir?” Aber bei Krebs kannst Du das nicht fragen.

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Natürlich kommt es immer ganz auf das Stadium an. Als bei meinem Großvater Krebs diagnostiziert wurde, war er bereits im Endstadium, Metastasen im ganzen Körper. Nicht mal einen Monat nach der Diagnose ist er gestorben. Seither nagt[e] es an mir: Wieso wurde diese Diagnose erst so spät gestellt? Was hätte ich tun können? Warum war ich nicht für ihn da?

Schon viele Jahre bevor mein Opa starb, klagte er über ständige Gelenkschmerzen. Er war ein viel-beschäftigter Mann; ein Gastronom der italienischen Küche, wie er im Buche stand. Er trank über den Tag verteilt 7-8 Espressi & am Abend seine zwei Achterl Rotwein. Zu einem seiner Lieblingsspeisen gehörte Lasagne. Familiär bedingt habe ich meinen Großvater in meinem Leben erst sehr spät kennengelernt. Aber das änderte nichts daran, dass ich ihn vergötterte – schließlich war ich sein Lieblingszwilling, wie er mich immer nannte & umgekehrt (; Viele, viele Telefonate hielten die Entfernung zwischen meiner damaligen Heimat Klosterneuburg & München kurz. Ab & zu besuchte ich ihn auch in München, für Konzerte, kleinere Urlaube oder einfach nur zum Zeit verbringen.

Ich hielt immer viel von meinem Opa. Mir war seine Meinung ausgesprochen wichtig & holte mir gerne Ratschläge von ihm. Ich blieb auch lange vor ihm ungeoutet, weil ich Angst hatte, den Status als seinen Lieblingszwilling zu verlieren. Als ich mich aber mit Merry verlobte, musste ich ihm davon erzählen. Ich war nie ein Fan meines damaligen Nachnamens, so fragte ich ihn, ob es denn auch okay für ihn wäre, seinen Nachnamen anzunehmen. An diesem Tag sah ich meinen Opa das erste Mal weinen – vor Freude. Der Kontakt wurde verstärkt, mittlerweile telefonierte ich so gut wie jeden Sonntag mit ihm. Ich freute mich, wenn ich Zuspruch bekam & dachte darüber nach, wenn ich Bullshit laberte. Diese Einstellung beruhte stets auf gegenseitigem Respekt.

 

One last goodbye.

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Kurze Zeit, bevor ich das erste Mal am 29. September 2010 vor dem Grab meines Großvaters stand, hab ich ihn das letzte Mal persönlich gesehen. Seine Eltern waren vor Kurzem gestorben & er kümmerte sich um den reibungslosen Verkauf und Auflass seines Elternhauses in der Nähe von Klosterneuburg. Der Aufenthalt war nur kurz, aber zum Schluss bot er mir an, in den kurz bevorstehenden Sommerferien, mit ihm nach Italien auf Urlaub zu fahren. Ich hätte sofort zugesagt, nur stand ich vor meiner Matura, musste mein letztes Praktikum für die Schule absolvieren & auf das anstehende Diplomprojekt vorbereiten. Ich konnte einfach keine Zeit dafür aufbringen. Die einzige Zeit, die ich in diesen Monaten an ‘Freizeitbeschäftigung’ aufbringen konnte war die Connichi im September, wo ja [eigentlich] wieder Schule war.

Die Zeit verging in diesen Monaten verdammt schnell; die Telefonate wurden sonntags kürzer – selbst die dreitägige Connichi in Kassel flog an mir vorbei. Es wäre ein normales Convention-Wochenende wie jedes andere geworden – mit viel Spaß, Zeit mit Freunden & Erkundungen der Stadt. Aber alleine die Zugverspätungen von Kassel Richtung Wien raubten uns den letzten Nerv. Als wir dann noch erfuhren, das wir am Sonntag der Heimreise vermutlich nicht mehr heim kamen, da es Probleme mit den Trieb- & Leitwerken gab, überlegten wir kurzfristig, einen Abstecher nach München zu machen. Immerhin hätten wir dort eine Übernachtungsmöglichkeit gehabt & ich hätte Zeit mit meinem Opa verbringen können. Er würde sich bestimmt über den [wenn auch kurzen] Besuch bestimmt freuen.

Gerade als wir im Zug nach passenden Verbindungen von Kassel nach München suchten, bekam ich einen Anruf. Meine Mutter. Sie wusste, dass ich mit Merry in Deutschland war & ich bat sie schon vor der Abreise, mich nur anzurufen, wenn es wirklich dringend war [zwecks Roaming-Gebühren]. Es musste etwas Ernstes sein. Mit zitternden Händen hob ich ab & erfuhr von ihr weinend: mein Opa hat Krebs. Er wurde in München ins Krankenhaus eingeliefert & befindet sich im künstlichen Tiefschlaf. Die Diagnose: Krebs-Metastasen im ganzen Körper.

 

Warum? 

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Fuck. Ich begann zu weinen, fühlte mich hilflos. In mir begann es zu brodeln. Wieso wurde diese Diagnose erst so spät gestellt? Was hätte ich tun können? Warum war ich nicht für ihn da? Mit Tränen in den Augen kamen wir dann wie durch ein Zufall doch irgendwie nach Österreich, aber es war mir egal. Ich fühlte mich, als wäre ich selbst in einer Art Wachkoma.

Die Tage, die zuvor noch rasend schnell vergangen waren, schienen sich nun zu ziehen. Jeden Tag saßen wir vor dem Telefon, Angst vor dem unvermeidbaren Anruf. Wir, also meine Familie, Merry & ich hofften um ihn, manche von uns beteten sogar. Ich war nie ein wirklich gläubiger Mensch gewesen & auch diese Situation hätte mich nicht bekehrt.

An einem Donnerstag gegen 17 Uhr erfuhren wir es: mein Opa hat den Kampf zu sich & mit dem Krebs aufgegeben. Kurz darauf fand seine Beerdigung in München statt. Auch jetzt schmerzt mich dieser Gedanke noch immer ungemein & ich vermisse ihn sehr. Ich wünsche mir von ganzem Herzen, dass er nun an einem besseren Ort ist. Es hat lange gedauert, bis ich diese Worte fassen konnte. Dennoch bin ich sehr froh über die wenige Zeit, die ich mit ihm hatte.

 

Was kann ich nun tun?

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Lass den Schmerz zu. Ich weiß aus eigener Erfahrung, wie sehr man versucht, sich zu malträtieren, sich wahnsinnig macht & Du am Liebsten die ganze Zeit schreien & toben willst. Das ist auch absolut in Ordnung. Es ist immer absolut beschissen, jemanden zu verlieren, der einem nahe steht. Natürlich ist es unfair & Du wirst Dich fragen warum. Du hast allerdings nicht die Kontrolle, es ändern zu können. In der Zeit, in der Du als Angehöriger einem Krebs-Patienten beistehst, versuche, für die Person einfach da zu sein. Frag sie, wie Du ihnen helfen kannst. Was sie brauchen. & vor allem eines: hab Zeit für sie & gib nicht auf.

 

Puh, der Beitrag ist jetzt doch länger geworden, als geplant. Ich würde mich freuen, wenn Du es bis zum Ende geschafft hast & mir vielleicht den einen oder anderen Kommentar hinterlässt. Falls Du jemanden [privat] zum Reden brauchst, schreib mich auf Instagram oder Facebook an.

 

In diesem Sinne:
Stay awesome

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9 Gedanken zu „[Thoughts] • Dealing With Cancer Of A Loved One

  1. Pih, das geht mir jetzt auch sehr nah und lässt mich ein paar Jahre zurück schauen. Damals stellte man bei meinem Schwiegervater Lungenkrebs fest und das „Ende“ kam sehr schnell. Männer haben diese, (ich kann es gerade nicht anders ausdrücken) verdammte Sturheit, erst dann zum Arzt zu gehen, wenn es zu spät ist. Auch mein Schwiegervater versorgte sich lieber selbst mit „normalen“ Schmerztabletten, als mal zum Arzt zu gehen Sie sind zu stark um einzugehen das sie auch mal schwach sein könnten..
    Als Angehöriger steht man hilflos daneben und kann einfach nichts tun. . Das tut weh!
    Mir fallen keine Wortes des Trostes ein, nehme dich aber gedanklich mal fest in die Arme und drücke dich.

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    • Tina, ich danke Dir von ganzem Herzen für Deine Worte. Stichwort Sturheit… das ist leider ein Thema, wo ich mir oft denke, ich könnte meinen Stiefpapa genauso zum Arzt treten – es hätte die gleiche Wirkung. Ich verstehe auch nicht, woher diese verdammte Sturheit kommt :/

      Ja, darum war mir dieser Post ein riesiges Anliegen, mal verfasst zu werden – ich danke Dir für die [virtuelle (;] Umarmung, das tut gut! ❤

      Gefällt mir

  2. Puh, dein Artikel hat mir wirkllich Tränen in die Augen getrieben und mich an die Zeit vor 2 1/2 Jahren erinnert, als ich selber mit der Diagnose konfrontiert wurde. Als meine Ärztin mir sagte, dass ich Krebs hatte (zum Glück konnte alles noch rechtzeitig entfernt werden) ist eine Welt für mich zusammengebrochen. Ich habe mich schon sterben sehen und bitterlich um meine beiden Töchter, die ich hinterlasse, weinen sehen. Für meine Familie, besonders meinem Mann, meinen Eltern und meinen Geschwistern war es ein Schock. Die eine ist in sich zusammengebrochen, die andere hat mich erst mal angeschrien und gemeint, ich soll nicht solche Scherze machen.

    Es war eine schwierige Zeit und ich bin noch lange nicht darüber hinweg. Immer wieder passiert es, dass ich mich an diese fürchterliche Zeit erinnere und dann Gott danke, dass es rechtzeitig erkannt wurde (nur durch Zufall, keinerlei Beschwerden).

    Deshalb kann ich gut nachvollziehen, wie du dich gefühlt haben musst. Denk immer an die schöne Zeit, die du mit deinem Opa verbracht hast. Die Erinnerung kann dir niemand nehmen. Und denk auch dran, dass er im Himmel ist, auf dich herabschaut und dich beschützt.

    Danke für diesen Post….

    Liebe Grüße
    Mimi

    Gefällt 1 Person

    • Liebe Mimi,

      vielen, vielen lieben Dank für Deinen langen Kommentar.

      Es stimmt schon, dass jede_r anders mit der Diagnose umgeht, sowohl der_die Betroffene, als auch die Angehörigen. Ich danke Dir für Deine Anteilnahme & Deine aufrichtigen Worte. Ich freue mich sehr für Dich, dass Du den Krebs besiegt hast & wünsche Dir auch weiterhin viel Kraft & dass Dein Körper davon geheilt ist.

      Ja – an die schönen Zeiten denke ich gerne, wenn auch wehmütig zurück. Ich vermisse ihn sehr, aber bin auch dankbar für das bisschen Zeit, dass mir gegeben wurde.

      Hab einen ganz tollen Tag, woimmer Du bist & genieße die Zeit mit Deinen Lieben! (:

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  3. Pingback: [Stuff] • Das ist ja nicht normal… oder? | kisudoesstuff

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